Ullstein Verlag
Auszüge aus meiner in der Reihe "Made in Germany" erschienenen Biographie des Unternehmers Josef Neckermann:

Josef Neckermann

Erstes Kapitel:

Hochgesteckte Ziele

Natürlich ließ er sich das Lampenfieber nicht anmerken. Wie immer aufrecht, stolz und hochkonzentriert saß Josef Neckermann auf seinem Pferd, suchte auf der Tribüne, in der Menge von Tausenden von Zuschauern, den Blick seiner Frau. 33 Lektionen Dressur lagen vor ihm. Und ein Lebenstraum, auf dessen Erfüllung er rund 40 Jahre lang gewartet hatte: einmal unter dem olympischen Feuer zu starten. Eine Medaille gewinnen. Ein fehlerfreier Ritt musste ihm dafür gelingen. Immer wieder ging er gedanklich den Parcours durch. Alles sollte perfekt sein, als Neckermann am 5. September 1960 um elf Uhr vormittags auf der Piazza Siena in Rom zu den Dressurprüfungen der XVII. Olympischen Spiele antrat - und plötzlich dunkle Gewitterwolken aufzogen. Es fing an zu regnen. Zuerst nur ein paar Tropfen. Dann in Strömen. Im Publikum auf einmal große Hektik, Regenschirme wurden aufgespannt, Geraschel von allen Seiten. Ein Alptraum für jedes Pferd. Neckermann hielt den Atem an. Doch Asbach ließ seinen Reiter nicht im Stich. Das Pferd zeigte sich erstaunlicherweise unbeeindruckt von der ganzen Aufregung, folgte willig den Signalen seines Herrn. Und Neckermann ritt los. Sich durch widrige Umstände aufhalten zu lassen, das hätte auch nicht zu ihm gepasst. Neckermann war 48 Jahre alt, als er 1960 das erste Mal bei Olympia startete und Bronze für Deutschland holte. Ein Alter, in dem sich andere Athleten vom Leistungssport längst verabschiedet haben. Nicht so Neckermann, der zu dieser Zeit bereits einen Herzinfarkt hinter sich hatte und zusätzlich zum Sport auch noch als Unternehmer täglich Höchstleistungen erbrachte. Mittelmaß war seine Sache nicht. Neckermann, der mit seiner überschlanken Figur nach außen fast zerbrechlich wirkte, wollte immer mehr als nur das Übliche. Er hatte hochgesteckte Ziele. Und die hat er unbeirrbar befolgt. Von klein auf.

Fünftes Kapitel:
Ich wollte etwas ganz Großes

"Mit den Kenntnissen, die ich in Stettin, England und Belgien erworben hatte, gehörte nicht viel dazu, festzustellen, dass der Betrieb an modernen Maßstäben und den Erfordernissen der Zeit gemessen hoffnungslos veraltet war. Hervorragendes Terrain für einen neuen Besen." Neckermann fegt durch, übernimmt 1933 den elterlichen Kohlengroßhandel. Mit einem ausgeprägten Willen zur Innovation bringt er den Betrieb, dessen Strukturen er teilweise für "hinterwäldlerisch" hält, in Schwung. Die Angestellten nehmen die Veränderungen - von umfangreichen Umbauarbeiten über die Einführung von mechanischen Rechenmaschinen bis hin zur Abschaffung der Zugpferde und Motorisierung des Fuhrparks - nur mit Widerwillen hin. Doch das kümmert Neckermann nicht. Er setzt - wie immer - seine eigenwilligen Pläne durch. Er will unbedingt Erfolg. Und schreckt daher auch nicht vor Aufträgen aus der Rüstungsindustrie zurück.

Er fädelt geschickt einen Deal mit dem Militär ein: Die Luftwaffe erteilt ihm den Auftrag, für den Bau von Fliegerhorsten im Großraum Würzburg Kohlen zu liefern. "Pro Horst zehn Lastwagenladungen täglich. Macht an die zweihundertfünfzig Lkws voll. Jeden Tag. Ein tolles Geschäft. Ich war damit fein raus", berichtet Neckermann. Er ist 23 Jahre alt und bereits ein gemachter Mann. Was nun? "Ich war aus den Kohlen rausgewachsen, hatte bewiesen, was zu beweisen war, und besann mich wieder auf meine Träume: ein richtiger Unternehmer zu werden." Nichts kann ihn aufhalten. Schließlich hat er ein, wie er selbst sagt, schier "unerschöpfliches Arbeitsvermögen", dazu ausreichend "Phantasie und Durchsetzungskraft". An Selbstbewusstsein mangelt es Neckermann wahrlich nicht. Er übergibt den Kohlenhandel an seinen Bruder Walter, lässt sich mit 200.000 Reichsmark auszahlen und träumt ganz unbescheiden vom Durchbruch. "Ich wollte etwas Eigenes, etwas ganz Großes."

Neckermann will einen eigenen Betrieb kaufen. Aus seiner Sicht sind die Zeiten dafür "günstig": Auch in Würzburg werden zu der Zeit jüdische Kaufleute von der SA terrorisiert. Im September 1935 werden die Nürnberger Rassengesetze gegen die Juden beschlossen. Einen Monat später "arisieren" die Nazis in Würzburg die beiden Kaufhäuser von Siegmund Ruschkewitz. Josef Neckermann erwirbt die Betriebe - das Kaufhaus Ruschkewitz und das Kaufhaus Merkur - zu einem niedrigen Preis. Und wird damit zu einem "Nutznießer des braunen Terrors", so die Einschätzung des SPD-Politikers und Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der Neckermann 1994 fürs Fernsehen portraitiert. Neckermann jedoch glaubt fest daran, etwas Gutes zu tun. Er weiß, "dass die Verfolgungsmaßnahmen der NSDAP gegen Siegmund Ruschkewitz ganz besonders drakonisch ausgefallen waren", der jüdische Unternehmer systematisch "an den Rand des Zusammenbruchs" gedrängt wurde. Trotzdem: Der aufstrebende Exkohlenhändler ist überzeugt, der Verkauf werde "in der freundschaftlichsten Form" verhandelt. Schließlich kennen sich die Familien Neckermann und Ruschkewitz seit langer Zeit. Ruschkewitz sei deshalb "sehr froh", dass gerade er, Neckermann, als Käufer auftrete. Am 25. Oktober 1935, einen Tag bevor sein Sohn Peter geboren wird, unterzeichnet Neckermann den Kaufvertrag. "Es war ein bewegender Augenblick", erinnert er sich. Ruschkewitz - dem nichts anderes als die Auswanderung bleibt - übergibt dem jungen Käufer mit Tränen in den Augen sein Geschäft. Eine Szene, die Neckermann, wie er beteuert, innerlich tief berührt. Ihn aber ansonsten nicht weiter aufhält. Voller Enthusiasmus stürzt er sich in seine neue Arbeit, will die Kaufhäuser Ruschkewitz und Merkur zu neuem Erfolg bringen. Obwohl sich ihm der Würzburger Einzelhandel, der um seine Pfründe fürchtet, als geschlossene Front entgegenstellt.

"Man blies zum erbitterten Kesseltreiben gegen den neuen Inhaber der Firmen Ruschkewitz und Merkur", berichtet Neckermann. Die damals erstarkenden Kaufhäuser, in denen Waren verschiedenster Art zu günstigeren Preisen als in herkömmlichen Geschäften angeboten werden, sind den Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Die Würzburger Kaufleute verlangen deshalb die Schließung der Häuser Ruschkewitz und Merkur: "Unser Führer hat den Warenhäusern und den Juden doch nicht deshalb den Kampf angesagt, um nun an die Stelle der semitischen Volksfeinde weiße Juden zu installieren", lautet die abstruse Argumentation der Gegner Neckermanns. Natürlich lässt sich der junge Kaufhausbesitzer von so etwas nicht unterkriegen. "Ich setzte mich in den nächsten Zug und fuhr nach Berlin", erinnert er sich. Er will ins Reichswirtschaftsministerium, "die höchste Behörde und zweifellos fürs ínationalsozialistische Wirtschaftsprogramm' zuständig". Hier ist Neckermann für seine Begriffe richtig. Er hat keinerlei Scheu vor der Obrigkeit. Und Befangenheit gegenüber den Nazis sowieso nicht. Zur Durchsetzung seiner Ziele braucht Neckermann den Zuspruch der Partei. Und es gelingt ihm, dem 23-Jährigen, der immer noch aussieht wie ein Bub, bis zur Spitze des Reichswirtschaftsministeriums vorzudringen. Am 16. November 1935 kann Neckermann die Kaufhäuser Ruschkewitz und Merkur wieder eröffnen. "Ich war versucht, die Passanten anzuhalten, sie in mein Geschäft zu ziehen und ihnen einen Vortrag darüber zu halten, dass sie in Zukunft keine Tasse, kein Kleid und keine Blumenvase mehr kaufen würden, ohne vorher den Preisvergleich bei Josef Neckermann angestellt zu haben", beschreibt er später in seinen Erinnerungen seinen damaligen stürmischen Eifer. Er hat 150 Angestellte und verdient 1936 seine erste Million. Sein Credo "billige Preise" und "Dinge bringen, die es woanders nicht gibt" zahlt sich aus. Und bald wird ihm sein Unternehmen schon wieder zu klein. Er träumt von Vergrößerung und hat eine Idee: Versandhandel!

1937 wird Neckermann Mitglied der NSDAP. Und kurz darauf bietet man ihm, dem Parteigenossen, die Berliner Wäschemanufaktur des Juden Karl Amson Joel - neben Quelle, Witt und Schöpflin eines der größten Versandunternehmen des Landes - zum Kauf an. Neckermann, der sich in Würzburg schon "in der Provinz versauern" sah, ist "Feuer und Flamme". Er überweist 1,14 Millionen Reichsmark auf ein Berliner Treuhandkonto, und aus der Firma Joel wird die "Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann Textil-Versandhaus". Das Geld wird beschlagnahmt. Karl Amson Joel, der vor den Nazis in die Schweiz flüchtet, bekommt nichts. Die Neckermanns - inzwischen mit zwei Kindern, Kindermädchen und Haushaltshilfe - ziehen 1938 mietweise in die ehemalige Villa der Joels in Charlottenburg ein, finden das Haus "zauberhaft gelegen". Wie schon beim Deal um Ruschkewitz rechtfertigt sich Neckermann auch in Bezug auf Joel: "Wenn ich es nicht tue, macht es ein anderer."

Die Zeiten sind schwierig - doch mit Neckermann geht es bergauf. Umtriebig wie er ist, engagiert er sich 1938 im Wirtschaftsverband der Versender, wird dort bald zum "ungekürten Sprecher", knüpft Beziehungen, die ihm später "in mancherlei Hinsicht hilfreich" sein werden. Bemüht, seine Geschäfte in die "gelenkte Wirtschaft" zu integrieren, liefert er 60.000 Wolldecken sowie Arbeitskleidung und Unterwäsche für die Arbeiter, die den so genannten Westwall, eine gigantische Befestigungsanlage mit 15.000 Bunkern und Panzersperren an der Westgrenze des deutschen Reiches, errichten. "Die Geschäfte liefen zu meiner Zufriedenheit, ich trug Verantwortung für viele hundert Mitarbeiter, hatte zwei kleine, gesunde Kinder, wohnte in einem wunderschönen Haus, und meine Frau nörgelte nicht", vergegenwärtigt sich Neckermann in seinen Erinnerungen seine damalige Gemütslage. Es hat Jahrzehnte der Erfahrung und Aufarbeitung gebraucht, um ihn in die Lage zu versetzen, den Versuch einer Erklärung hinzuzufügen: "Wenn ich sage: íIch war glücklich zu dieser Zeit', mutet mich das heute selbst bedenklich an. Naiv oder zynisch, mit heutigen Maßstäben gemessen. Erklärungsbedürftig. Ja, habt ihr denn nicht gewusst, was ihr tut? Wo hattet ihr bloß eure Augen, eure Ohren? Für meinen Sohn Peter war über viele Jahre hinweg alles klar: Er hatte kein Verständnis für die Schwächen, Verirrungen oder gar Verbrechen der Menschen, die den Nationalsozialismus als íErwachsene' erlebten. Es stimmt. Auf die bohrenden Fragen der Nachgeborenen hat meine Generation nichts Zufriedenstellendes anzubieten. Das kann nur einer verstehen, der dabei gewesen ist, lautet die von uns am häufigsten vorgebrachte Entgegnung. Die schwächste, aber unter Umständen doch die ehrlichste...", wirbt Neckermann um Verständnis. "Wir haben schließlich nicht im Geschichtsbuch gelebt, das war doch Alltag."

Während die einen die Offenheit loben, mit der Neckermann so etwas sagt, vermissen andere in solchen Äußerungen die Selbstkritik. "Wie viele andere seiner Generation verweigerte sich Josef Neckermann der selbstkritischen Reflektion", schreibt etwa Claus-Heinrich Meyer in der Süddeutschen Zeitung. Neckermann sagt: Natürlich sei man über Eskalationen wie die Reichspogromnacht erschüttert und entsetzt gewesen, "aber am nächsten Tag konnten andere Dinge schon wieder zwingender sein".

Neckermann hat "nicht das geringste Bedürfnis, in Schwierigkeiten zu kommen". Opposition in politischen Dingen liegt ihm nicht, wie er sagt. Auch den "Heldentod" will er nicht sterben. Als die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfällt, hat Neckermann nur ein Bestreben: "Ich musste unter allen Umständen u.k. gestellt werden: unabkömmlich." Seine guten Kontakte zum Reichswirtschaftsministerium sind dem erfolgreichen Jungunternehmer da wieder mal nicht unwesentlich von Nutzen. Da im Krieg bei einer Vielzahl von Produkten Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung entstehen und Kontingentierungen organisiert werden müssen, wird Neckermann immer häufiger als Experte zu Beratungen auf höchster Ebene hinzugezogen. Schließlich avanciert er zum Reichsbeauftragten für Kleidung und verwandte Gebiete sowie zum alleinigen Geschäftsführer der gemeinsam mit dem Hertie-Chef Georg Karg gegründeten Zentrallagergemeinschaft für Bekleidung (ZLG), die zuerst nur für die Versorgung der zivilen Angehörigen der Wehrmacht, später auch für die Versorgung der breiten Bevölkerung und schließlich aller ausländischen Arbeitskräfte zuständig ist. Neckermann, der bewusst keinen Lohn für seine Tätigkeit in der ZLG nimmt, um nicht zum Kriegsgewinnler zu werden, beweist vor allem bei der Versorgung der so genannten "Fremdarbeiter", dass er Gutes tun will: Sich der Rückendeckung des Reichswirtschaftsministers Hjalmar Schacht immer bewusst, kämpft der ZLG-Chef zum Beispiel für einen humanen Umgang mit den Zwangsarbeitern aus dem Osten. Um "die Ostarbeiter mit den anderen Arbeitskräften versorgungsmäßig gleichzustellen", legt er sich sogar mit Leuten wie Goebbels an. Entgegen der verbreiteten Meinung, für Arbeiter aus dem Osten genügten auch Jutesäcke, stattet Neckermann die vorwiegend in der Rüstungsindustrie eingesetzten Männer und Frauen mit einigermaßen menschenwürdiger Kleidung aus.

Im strengen Winter 1941/42 wird Neckermann mit der Ausrüstung der Soldaten in Russland beauftragt. Eine Aufgabe, der er sich mit größtem Einsatz widmet. Es werden "Frostkommissionen" gebildet, Erfahrungen rückkehrender Soldaten von der Ostfront eingeholt, in Windkanal und Kältekammern Materialien auf Kälte- und Nässeschutz geprüft, schließlich drei Millionen "optimale" Winteruniformen hergestellt. Neckermann hat dabei immer eine Situation vor Augen, die er in der Wochenschau gesehen hat: "Deutsche Soldaten in ihren knöchellangen Wintermänteln... Sie liefen einen Hang hinunter und stürzten dabei über ihre Mäntel. Diese beklemmende Szene wurde für mich zum Schlüsselerlebnis." Das will der Reichsbeauftragte für Kleidung den Männern an der Ostfront künftig ersparen. "In Anlehnung an winterliche Sportbekleidung" wird deshalb im Neckermannschen Atelier die Ideal-Uniform entwickelt: "Eine so genannte Überfallhose und ein Oberteil im Stil eines langen Anoraks, der die Hüfte noch abdeckte und über der normalen Uniform zu tragen war." Mit der Chemikalie Opanol bestrichen, halten die Winteranzüge auch extremster Witterung bis zu 50 Grad Minus stand. "Das Urteil der Truppe fiel sehr positiv aus", berichtet Neckermann noch 50 Jahre später mit spürbarer Zufriedenheit. "Das Schlimmste für die Menschen zu verhüten" sei bei der Ausrüstung der Soldaten das entscheidende Motiv für ihn gewesen, erklärt er einem Journalisten. "Meine Aufgabe sah ich darin, alles zu tun, den Menschen zu helfen, die durch diesen Krieg schwerstens betroffen waren." Neckermann handelte offenbar aus freier persönlicher Überzeugung und nicht aus Hörigkeit. Das wird auch bei der Präsentation der Uniformen im Führerhauptquartier deutlich.

Am 19. April 1942 wird Neckermann gemeinsam mit einer Gruppe von Mitarbeitern, die an der Entwicklung der Uniformen beteiligt waren, von SS-Leuten zur Wolfsschanze gebracht. Ein Termin, bei dem es zur Begegnung mit den höchsten Vertretern des Regimes kommt. Neckermann lernt hier Heinrich Himmler kennen - einen Mann, der "mit seiner Brille und seinem ganzen Auftreten eher wie ein Lehrer" wirkt. "Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand von den Verbrechen berichtet, die er beging, hätte ich ihm nicht geglaubt", erinnert sich Neckermann. Auch von Adolf Hitler, der die neue Winteruniform am Ende absegnen muss, ist Neckermann nicht übermäßig beeindruckt: "Er trug Spuren von Make-up im Gesicht", berichtet Neckermann in seinen Erinnerungen. Und in einem TV-Interview in den 80er Jahren sagt er, er habe damals "nicht die berühmte Faszination durch Hitler erlebt", schließlich sei er durch seine "Verbindungen mit maßgebenden Persönlichkeiten über alle Schwächen, die sich in der Führung abzeichneten", informiert gewesen. Warum so viele andere der Faszination des Führers noch immer erlagen? "Vielleicht aus reinem Gehorsam", mutmaßt Neckermann - und will damit signalisieren, dass ihm selbst solch unreflektierte Gefügigkeit fern liegt. Trotzdem: Das Kriegsverdienstkreuz Erster Klasse nimmt Neckermann an. Denn auf seine Uniformen ist er stolz.

"Diese Jahre waren eine harte Zeit, in der ich buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet habe", schildert Neckermann seinen Einsatz während der Kriegsjahre. "Ich funktionierte, und was mich aufrecht erhielt, war das Bewusstsein, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben." Diese Einstellung lässt ihn auch all die persönlichen Verluste, die der Krieg ihm abringt, verkraften. Im Dezember 1943 wird das Fabrikgebäude der Wäsche- und Kleider-Fabrik in Berlin-Wedding sowie das Haus der Neckermanns in Berlin-Charlottenburg durch Bomben zerstört, während die Familie im Luftschutzkeller überlebt. Auch Neckermanns Elternhaus und seine beiden Kaufhäuser in Würzburg brennen aus.